03/03/09 Rengsdorf

Rengsdorf. Eine kleine Stadt nördlich von Koblenz. „Kurort“ steht noch dran, viele Döner- und Thai-Läden erzählen etwas anderes. Der Bus-Fahrer, ein sympathisch dreinblickender Farbiger, vergisst meine Haltestelle. Erst als er aus dem Ort rausgefahren ist, hab ich mich zu ihm durchgekämpft, er hält an und lässt mich raus. Eine Viertelstunde mit Calvin durch den Wald und Nieselregen bis zum Ort. Trostlos. Die Stadtmision ein tristes Haus mit dreckigen Gardinen. Eine Mennonitengemeinde, erkennbar an einem Schild und einem langweiligen 70-er-Jahre-Bild. Bunte Plakate laden zur „Nacht der Engel“ in eine Koblenzer Discothek an, Stargast: Gulia Siegel. Das Haus des CVJM wenigstens frisch gestrichen. Gegenüber beim Bestattungsunternehmer Schmitz 16 Urnen im Schaufenster zur freien Auswahl. Ich finde die Kirche nicht, frage im leeren Eiscafé. Die Italienierin fragt nach: Ob ich „Kirsche“ wolle? „Nein, Kirche, meine ich: Wo ist die Kirche?“ Immerhin weiß die Frau, dass es zwei gibt, evangelisch und katholisch (die Mennoniten-Gemeinde gehört für sie nicht dazu).  Rund dreißig Leute hören zwei Stunden Calvin – bewundernswert konzentriert, zwei Stunden in Kirchenbänken. Am Ende bleibt das Bild des knorzigen Reformators, der auf dem Sterbebett um Nachsicht für seine Schwächen bittet. Da wächst er einem dann doch etwas ans Herz – aber leider erst am Ende seines Lebens.

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