06/05/09 Bernau

„Haben Sie schon mal Kirchenzucht ausgeübt?“ Eigentlich rechnete ich mit einem schnellen „Nein“, als ich der Pastor(inn)enschaft des Kirchenkreises Barnim diese Frage stellte. Doch nach kurzem Zögern meldete sich ein älterer Pastor und erzählte seine ganz persönliche Zucht-Geschichte: Er hatte die Gemeinde zum Abendmahl eingeladen; ein junger Mann stand vor ihm im Kreis, der so sehr mit seiner ebenfalls im Gottesdienst anwesenden Mutter zerstritten war, dass er nicht mal mehr mit ihr sprach. Eine große Unfriedensquelle also im Abendmahlskreis. Bevor der Pastor dem Mann das Brot reichte, fragte er ihn leise: „Wirst Du wieder mit Deiner Mutter sprechen?“ „Hätte der Mann ’nein‘ gesagt, hätte ich ihm nicht das Abendmahl gereicht“, erzählte der Pastor mit ruhiger, nachdenklicher Stimme. Ganz im Sinn Calvins…  Ob mein Abschiedserlebnis auch im Sinne Calvins ist, lässt sich schwer beantworten, denn vor 500 Jahren gab es bekanntlich noch keine Autos. „Wir beten immer vorm Losfahren“, sagte mir mein Fahrer, der mich zum Bahnhof bringen wollte, faltet die Hände und blickt nach unten. Erstaunt höre ich mir sein Gebet an. Danach startet er seinen Kleinbus und dankt Gott, dass er ihn vor einem Park-Knöllchen bwahrt habe. „Aber für alles sollte man Gott ja nicht zuständig erklären“, fügt er an. Wie wahr…

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