Archive for November 2010

22/11 Unkatholisch katholisch?

22. November 2010

Nein, nicht der Kardinal – ein Weihbischof hat die Diakonenweihe im Kölner Dom vollzogen. Die Predigt von Weihbischof Dr. Woelki  ist zu hören und zu sehen beim linientreuen Domradio. Ebenso ein Bild der freundlich lächelnden Diakonen-Kandidaten. Wer fehlt? Warum? Siehe unten.  Eine Aufnahme der auf dem Bauch liegenden neuen Diakone zeigt Domradio auch. „Die Weihe des Diakonats-Kandidaten Georg Schwikart musste verschoben werden“, heißt es lapidar. „Kreuzgang„, eine katholische Website, kommentiert derweil: „Entweder hat hier unser EB (Erzbischof J. Meisner) mit Kanonen auf Spatzen geschossen, oder seit Erscheinen des Buches haben einige Leute gepennt, oder besser noch: im Tiefschlaf gelegen.“ Warum denn niemand die Veröffentlichungen von angehenden Diakonen lese, fragt Kreuzgang. Richtig. Hätte Meisner alle Bücher Schwikarts zur Kenntnis genommen, hätte er vor Freude jubilieren können: „Das neue Minsitranten-ABC“, „Gebetbuch zur Taufe“, „Praxisbuch Trauerfeier“, „Was Christen glauben“, „Jugend und Gott“,  „Segensgebete für Seelsorge und Gottesdienst“, „Gedanken zur Heiligen Messe“ … Glaubensbücher in großen Auflagen, die in unzähligen katholischen Kirchengemeinden stehen.  Was geschieht denn eigentlich mit denen? Immerhin könnten sie unkatholische Lehren enthalten – ja, kümmert sich denn niemand darum? Im Vatikan gibt es dafür doch so eine Behörde, früher hieß die Inqusition… Was macht man mit Büchern eines unkatholischen Katholiken? Erster Schritt müsste doch sein, wenigstens auf der Website des Kölner Erzbistums keine Schwikart-Bücher mehr zu zitieren, denn wer weiß, obs schaden könnte? Was tun, Mr. Meisner?

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19/11 „Katholisch? Never!“ Ein Grund mehr…

19. November 2010

Eigentlich wollte ich morgen nach Köln fahren. Ein Kirchenbesuch mit Sitzplatzgarantie. Keine Frage, der Dom wird voll werden, wenn Kardinal Meisner Diakone weiht. Mein Kollege Georg Schwikart sollte eigentlich auch dabei gewesen sein. Zwei Jahre hatte er sich auf diesen Tag und seinen neuen Beruf vorbereitet und gefreut. Noch länger hat er der Kirche Gutes getan: Hat ehrenamtlich in seiner Gemeinde mitgearbeitet, Vertrauen der Menschen gewonnen,  und hat in vielen, vielen Büchern dem christlichen Glauben in seiner katholischen Spielart ein freundliches Gesicht gegeben. Die zeigt ihm nun jedoch die hässlichste Fratze, die sie im Repertoire hat: Kardinal Joachim Meisner höchstpersönlich hat abgelehnt, Georg Schwikart zum Diakon zu weihen. Warum? Weil er vorsichtig – sehr vorsichtig! – Veränderungen in seiner Kirche erhofft und das auch noch in unserem gemeinsamen Buch formuliert hat. Das ist nicht erwünscht. Diakone müssen „auf Linie“ sein. Geht es um Kirchenmacht, treten Meinungsfreiheit und Glaube in den Hintergrund. Das ist nichts Neues. Fjodor Dostojewski schilderte dasselbe Prinzip in seiner großartigen Parabel vom Großinquisitor: Der verknöcherte Kirchenmann verweigert Jesus das Rederecht in der Kirche. Warum? Weil Jesus die Kirche stört. Noch heute hat die katholische Kirche Angst vor der frohen Botschaft. Wie armselig, dass sie ihre Macht einsetzen muss, um das Leben auszusperren.

Wie wird die Stimmung sein morgen bei der Diakonenweihe im Kölner Dom? Werden die für Schwikarts Feiergäste reservierten Kirchenbänke leer bleiben? Werden die Diakone sich, wie im Ritus vorgesehen, auf den Boden legen und sich dem menschenfeindlichen System unterwerfen – oder werden sie aufstehen angesichts der Ungeheuerlichkeit, die nicht nur ihrem langjährigen Mitbruder Georg Schwikart, sondern der ganzen Kirchen angetan wird? Werden Sie ihrerseits die Diakonenweihe ablehnen, gar in einen Weihe-Streik treten, deutlich sagend: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“? Oder werden sie den Kardinal liebevoll in ihre Mitte nehmen, Barmherzigkeit an ihm üben, für ihn beten, hoffend, dass er danach freiwillig aus dem Amt scheidet und ein Mindestmaß an Demut an den Tag legt, das man von einem Christen erwarten darf?

Wie gerne hätte ich Unrecht mit meiner Prognose: Kirchenbusiness as usual. Niemand wird den Mut haben, das Thema anzusprechen. Denn jeder, der jetzt dem Mund aufmacht, muss mit Gängelung rechnen. Katholisch? Never! Sondern aus gutem Grund evangelisch.

 

Eigentlich wollte ich morgen nach Köln fahren. Ein Kirchenbesuch mit Sitzplatzgarantie. Keine Frage, der Dom wird voll werden, wenn Kardinal Meisner Diakone weiht. Mein Kollege Georg Schwikart sollte eigentlich auch dabei gewesen sein. Zwei Jahre hatte er sich auf diesen Tag und seinen neuen Beruf vorbereitet und gefreut. Noch länger hat er der Kirche Gutes getan: Hat ehrenamtlich in seiner Gemeinde mitgearbeitet, Vertrauen der Menschen gewonnen,  und hat in vielen, vielen Büchern dem christlichen Glauben in seiner katholischen Spielart ein freundliches Gesicht gegeben. Die zeigt ihm nun jedoch die hässlichste Fratze, die sie im Repertoire hat: Kardinal Joachim Meisner höchstpersönlich hat abgelehnt, Georg Schwikart zum Diakon zu weihen. Warum? Weil er vorsichtig – sehr vorsichtig! – Veränderungen in seiner Kirche erhofft und das auch noch in unserem gemeinsamen Buch formuliert hat. Das ist nicht erwünscht. Diakone müssen „auf Linie“ sein. Geht es um Kirchenmacht, treten Meinungsfreiheit und Glaube in den Hintergrund. Das ist nichts Neues. Fjodor Dostojewski schilderte dasselbe Prinzip in seiner großartigen Parabel vom Großinquisitor: Der verknöcherte Kirchenmann verweigert Jesus das Rederecht in der Kirche. Warum? Weil Jesus die Kirche stört. Noch heute hat die katholische Kirche Angst vor der frohen Botschaft. Wie armselig, dass sie ihre Macht einsetzen muss, um das Leben auszusperren.

Wie wird die Stimmung sein morgen bei der Diakonenweihe im Kölner Dom? Werden die für Schwikart reservierten Kirchenbänke leer bleiben? Werden die Diakone sich, wie im Ritus vorgesehen, auf den Boden legen und sich dem menschenfeindlichen System unterwerfen – oder werden sie aufstehen angesichts der Ungeheuerlichkeit, die nicht nur ihrem langjährigen Mitbruder Georg Schwikart, sondern der ganzen Kirchen angetan wird? Werden Sie ihrerseits die Diakonenweihe ablehnen, gar in einen Weihe-Streik treten, deutlich sagend: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“? Oder werden sie den Kardinal liebevoll in ihre Mitte nehmen, Barmherzigkeit an ihm üben, für ihn beten, hoffend, dass er danach freiwillig aus dem Amt scheidet und ein Mindestmaß an Demut an den Tag legt, das man von einem Christen erwarten darf?

Wie gerne hätte ich Unrecht mit meiner Prognose: Kirchenbusiness as usual. Niemand wird den Mut haben, das Thema anzusprechen. Denn jeder, der jetzt dem Mund aufmacht, muss mit Gängelung rechnen. Katholisch? Never! Sondern aus gutem Grund evangelisch.

15/11 Wann ist ein Christ ein Christ?

15. November 2010

Genügt die Taufe? Das Nachsprechen des Glaubensbekenntnisses? Muss ein Christ in Jesus den Christus sehen? Oder reicht es, einfach ein guter Mensch zu sein? Fragen über Fragen – und die humorige Antwort eines Theologieprofessors sind in dem Beitrag „Zum Sonntag“ zu hören, der am 13. November im Bayerischen Rundfunk lief. Wer nicht hören will, kann lesen – hier.

08/11 Der Vatikan lobt, der Kardinal tobt

8. November 2010

Als „witziges und theologisch korrektes Buch“ lobte Radio Vatikan im April das Buch „Katholisch Never – Evangelisch Never“, das ich mit meinem katholischen Kollegen Georg Schwikart Anfang des Jahres im Pattloch-Verlag veröffentlichte. Der Kölner Kardinal Joachim Meisner allerdings findet’s weder korrekt noch kann er darüber lachen. Im Gegenteil: Mit Verweis auf fehlende Katholizität in diesem Buch verweigert er Georg Schwikart die Weihe zum Diakon, die für den 20. November angesetzt war. Nicht nur Georg Schwikart, ganz Hangelar ist entsetzt über dieses Vorgehen Meisners. Für mich als evangelischen Sparringpartner Schwikarts wäre es leicht, das Ganze mit einem larmoyanten „Siehste“ zu kommentieren. Aber dass und wie die katholische Kirche ihre besten Leute abkanzelt, übertrifft sogar meine kühnsten Erwartungen. Schwikart, der unzählige Bücher in unzähligen katholischen Verlagen geschrieben hat, darin liebevoll Kindern wie Erwachsenen den katholischen Glauben erklärt hat, darf nicht mal Diakon werden?!? Unfassbar.

Der Bonner General-Anzeiger berichtet über den Fall: 05.11., 08.11. , auch die Kölnische Rundschau 8.11.

Beitrag im WDR Hörfunk und in SWR1

Blogger Stanislaus kommentiert.

Diskussion im „Forum Partenia“

Buchtipp: Hans Conrad Zander: Joachim, mir graust’s vor dir! Von der unwiderstehlichen Komik der Religion, Köln 2004