19/11 „Katholisch? Never!“ Ein Grund mehr…

Eigentlich wollte ich morgen nach Köln fahren. Ein Kirchenbesuch mit Sitzplatzgarantie. Keine Frage, der Dom wird voll werden, wenn Kardinal Meisner Diakone weiht. Mein Kollege Georg Schwikart sollte eigentlich auch dabei gewesen sein. Zwei Jahre hatte er sich auf diesen Tag und seinen neuen Beruf vorbereitet und gefreut. Noch länger hat er der Kirche Gutes getan: Hat ehrenamtlich in seiner Gemeinde mitgearbeitet, Vertrauen der Menschen gewonnen,  und hat in vielen, vielen Büchern dem christlichen Glauben in seiner katholischen Spielart ein freundliches Gesicht gegeben. Die zeigt ihm nun jedoch die hässlichste Fratze, die sie im Repertoire hat: Kardinal Joachim Meisner höchstpersönlich hat abgelehnt, Georg Schwikart zum Diakon zu weihen. Warum? Weil er vorsichtig – sehr vorsichtig! – Veränderungen in seiner Kirche erhofft und das auch noch in unserem gemeinsamen Buch formuliert hat. Das ist nicht erwünscht. Diakone müssen „auf Linie“ sein. Geht es um Kirchenmacht, treten Meinungsfreiheit und Glaube in den Hintergrund. Das ist nichts Neues. Fjodor Dostojewski schilderte dasselbe Prinzip in seiner großartigen Parabel vom Großinquisitor: Der verknöcherte Kirchenmann verweigert Jesus das Rederecht in der Kirche. Warum? Weil Jesus die Kirche stört. Noch heute hat die katholische Kirche Angst vor der frohen Botschaft. Wie armselig, dass sie ihre Macht einsetzen muss, um das Leben auszusperren.

Wie wird die Stimmung sein morgen bei der Diakonenweihe im Kölner Dom? Werden die für Schwikarts Feiergäste reservierten Kirchenbänke leer bleiben? Werden die Diakone sich, wie im Ritus vorgesehen, auf den Boden legen und sich dem menschenfeindlichen System unterwerfen – oder werden sie aufstehen angesichts der Ungeheuerlichkeit, die nicht nur ihrem langjährigen Mitbruder Georg Schwikart, sondern der ganzen Kirchen angetan wird? Werden Sie ihrerseits die Diakonenweihe ablehnen, gar in einen Weihe-Streik treten, deutlich sagend: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“? Oder werden sie den Kardinal liebevoll in ihre Mitte nehmen, Barmherzigkeit an ihm üben, für ihn beten, hoffend, dass er danach freiwillig aus dem Amt scheidet und ein Mindestmaß an Demut an den Tag legt, das man von einem Christen erwarten darf?

Wie gerne hätte ich Unrecht mit meiner Prognose: Kirchenbusiness as usual. Niemand wird den Mut haben, das Thema anzusprechen. Denn jeder, der jetzt dem Mund aufmacht, muss mit Gängelung rechnen. Katholisch? Never! Sondern aus gutem Grund evangelisch.

 

Eigentlich wollte ich morgen nach Köln fahren. Ein Kirchenbesuch mit Sitzplatzgarantie. Keine Frage, der Dom wird voll werden, wenn Kardinal Meisner Diakone weiht. Mein Kollege Georg Schwikart sollte eigentlich auch dabei gewesen sein. Zwei Jahre hatte er sich auf diesen Tag und seinen neuen Beruf vorbereitet und gefreut. Noch länger hat er der Kirche Gutes getan: Hat ehrenamtlich in seiner Gemeinde mitgearbeitet, Vertrauen der Menschen gewonnen,  und hat in vielen, vielen Büchern dem christlichen Glauben in seiner katholischen Spielart ein freundliches Gesicht gegeben. Die zeigt ihm nun jedoch die hässlichste Fratze, die sie im Repertoire hat: Kardinal Joachim Meisner höchstpersönlich hat abgelehnt, Georg Schwikart zum Diakon zu weihen. Warum? Weil er vorsichtig – sehr vorsichtig! – Veränderungen in seiner Kirche erhofft und das auch noch in unserem gemeinsamen Buch formuliert hat. Das ist nicht erwünscht. Diakone müssen „auf Linie“ sein. Geht es um Kirchenmacht, treten Meinungsfreiheit und Glaube in den Hintergrund. Das ist nichts Neues. Fjodor Dostojewski schilderte dasselbe Prinzip in seiner großartigen Parabel vom Großinquisitor: Der verknöcherte Kirchenmann verweigert Jesus das Rederecht in der Kirche. Warum? Weil Jesus die Kirche stört. Noch heute hat die katholische Kirche Angst vor der frohen Botschaft. Wie armselig, dass sie ihre Macht einsetzen muss, um das Leben auszusperren.

Wie wird die Stimmung sein morgen bei der Diakonenweihe im Kölner Dom? Werden die für Schwikart reservierten Kirchenbänke leer bleiben? Werden die Diakone sich, wie im Ritus vorgesehen, auf den Boden legen und sich dem menschenfeindlichen System unterwerfen – oder werden sie aufstehen angesichts der Ungeheuerlichkeit, die nicht nur ihrem langjährigen Mitbruder Georg Schwikart, sondern der ganzen Kirchen angetan wird? Werden Sie ihrerseits die Diakonenweihe ablehnen, gar in einen Weihe-Streik treten, deutlich sagend: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“? Oder werden sie den Kardinal liebevoll in ihre Mitte nehmen, Barmherzigkeit an ihm üben, für ihn beten, hoffend, dass er danach freiwillig aus dem Amt scheidet und ein Mindestmaß an Demut an den Tag legt, das man von einem Christen erwarten darf?

Wie gerne hätte ich Unrecht mit meiner Prognose: Kirchenbusiness as usual. Niemand wird den Mut haben, das Thema anzusprechen. Denn jeder, der jetzt dem Mund aufmacht, muss mit Gängelung rechnen. Katholisch? Never! Sondern aus gutem Grund evangelisch.

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2 Antworten to “19/11 „Katholisch? Never!“ Ein Grund mehr…”

  1. andreame Says:

    Danke, dass du das öffentlich machst! Ein erster Schritt zur Veränderung ….
    Liebe Grüsse aus dem fernen Österreich, Andrea

  2. klanggebet Says:

    Ich hätte gerne gewusst, was Schwikart für Fragen in Eurem Buch aufgeworfen hat. Das Gute ist, dass Meisner nicht das Maß aller (katholischen) Dinge ist. Das Ungute ist, dass es zu viele Meisners gibt. Das „Katholisch? Never!“ verstehe ich zwar, andererseits finde ich schmälert es die Hingabe jener, die unter ihrer Kirche leiden und dennoch darin bleiben – eben gerade UM sie zu verändern, vielleicht heimlich still und leise an ihrem Platz, aber eben doch wirksam.
    Herzliche Grüße
    Giannina

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